Vereins-Chronik
75 Jahre ist es her, seit junge Leute unserer Gemeinde den TSV Neuhaus aus der Taufe hoben. Die Gründung des Vereins erfolgte in einer Zeit, an die sich die meisten unserer heutigen Mitglieder nicht mehr erinnern können, ja die sie sich meistens gar nicht mehr vorstellen können. Der Dorfjugend stand damals nichts als Elternhaus, Schule, Kirche und Dorfhaus zur Verfügung, um die wenige Freizeit sinnvoll nutzen zu können. Weder Radio noch Fernsehen und Auto – ohne die man sich heute das Leben fast nicht vorstellen kann – verschönten die Jugendjahre. So war das Spiel, und hier der Fußballsport, für die männliche Jugend die einzige Möglichkeit, ihre Freizeit zu gestalten. Fußball ohne Fußballstiefel, ohne Sportbekleidung und ohne Sportplatz war der Hit, war die große Neuentdeckung der ländlichen Jugend Ende der 20er Jahre, auch wenn die Alten noch so viel schimpften über diese Narretei.
Vorbilder für dieses Treiben hatte man doch bereits in allernächster Nähe: der „Club“ aus Nürnberg und die Spvgg Fürth waren Deutschlands Fußballhochburgen in dieser Zeit. So war es kein Wunder, dass die Jugend von Neuhaus als eine der ersten Jugenden im Altlandkreis Höchstadt/Aisch im Jahr 1928 einen Verein gründete, den 1. FC Neuhaus, nach dem Vorbild des großen 1. FCN in Nürnberg.
Da in den ersten Jahren jede Ausstattung fehlte, gutes Spielermaterial aber vorhanden war, spielte man anfangs mit den Freunden aus Adelsdorf in einer Mannschaft.
Um auch den Nichtfußballern die Möglichkeit zu sportlicher Betätigung zu geben, pflegte man auch die Sparten Turnen und Leichtathletik. Der spätere Ehrenvorstand Peter Hertel und Paul Birkner zeigten sich für die Übungsstunden verantwortlich. Sie konnten einige große Erfolge für ihre Abteilung verbuchen. Karl Friedrich z. B. war als einer der besten Langstreckenläufer des ganzen Kreises bekannt.
Versuchte die Jugend von Neuhaus in den Jahren 1928 – 1933 in trockenliegenden Weihern, auf Wiesen und Straßen ihr Können zu verbessern, so gelang es den seinerzeitigen Vorständen Lehrer Braungardt und Andreas Zwanzger unter Mitwirkung der Gemeinde Neuhaus endlich 1933 einen Sportplatz zu pachten. Nach dem Wechsel des Vereinslokals rückte dann die Neuhauser Jugend dem am Tag zuvor erst abgeernteten Kartoffelacker zu Leibe. Mit Viehgespannen und Eggen, Schaufeln und Rechen, vor allem aber mit großem Arbeitswillen gelang es, den Acker einigermaßen zu planieren. So konnte am ersten Kirchweihtag 1933 endlich das erste Fußballspiel auf eigenem Sportplatz stattfinden. Gegner in diesem Treffen waren die Sportfreunde aus Weisendorf. Verwehrte auch eine riesige Staubwolke den Zuschauern oft den Blick auf die Akteure, so tat das ihrer großen Begeisterung keinen Abbruch. Der Durchbruch war geschafft.
Jahre des sportlichen Erfolgs und des Misserfolgs wechselten sich in der Folge ab. Dennoch möchte niemand von den alten Mitgliedern diese Zeit missen. Gerade diese Jahre, die erfüllt waren von viel Arbeit (jegliche Mittel fehlten), schweißten die Mitglieder in fester Kameradschaft zusammen.
Leider trat im Jahr 1939 durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges eine Zwangspause ein. Wie überall wurden auch viele unserer Mitglieder und Freunde zur Wehrmacht eingezogen und eine große Anzahl von ihnen kehrte aus dem unglückseligen Weltkrieg nicht mehr zurück.
Im Jahre 1945 erwachte neues Leben. Die Vorstände Hans Sänger und Fritz Hertel richteten unter Mitwirkung des unvergesslichen Georg Lunz ein Ersuchen an die Militärregierung in Höchstadt, einen Turn- und Sportverein gründen zu dürfen. Diesem Ersuchen wurde auch stattgegeben, nachdem die Vorstandsmitglieder eine schriftliche Erklärung abgegeben hatten, dass in dem Verein keine militärischen Tätigkeiten ausgeübt werden. Gestützt auf die Erfahrungen früherer Jahre, wurde sofort der Spielbetrieb wieder aufgenommen. Zahlreiche Mitglieder und Freunde gewährten dem Verein ein Darlehen in Höhe von DM 50,--, was in dieser Zeit fast ein Vermögen darstellte, damit die notwendigen Anschaffungen getätigt und die finanziellen Verpflichtungen dem Verband gegenüber erfüllt werden konnten.
Neben den Seniorenmannschaften wurde erstmals auch eine Jugendabteilung zur besseren Förderung des Spielernachwuchses gegründet. Die Entwicklung des Turn-und Sportvereins Neuhaus nahm einen neuen Anfang.
Im Jahr 1952/53 gelang dem Verein der erste Aufstieg in die B-Klasse. Nach dem Abstieg in die C-Klasse im Spieljahr 1965/66 gelang bereits im darauffolgenden Spieljahr der Wiederaufstieg. Kurz danach wurde am alten Sportplatz eine Scheinwerferanlage installiert, endlich konnte ein einigermaßen vernünftiger Trainingsbetrieb aufgenommen werden. Aber die Freude sollte nicht lange anhalten. Bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes durch die Gemeinde Adelsdorf für den Ortsteil Neuhaus wurde der Sportplatz mit erfasst. Gleichzeitig wurde den Fußballern auf der Jahreshauptversammlung 1973 vom Vereinswirt nahegelegt, sich ein anderes Vereinslokal zu suchen.
Sehr schnell konnte ein Ausweichplatz zwischen Neuhaus und Buch erstellt werden. Bei der Suche nach einem neuen Vereinslokal bekam der Verein die Unterstützung der Brauerei Schmidt, die ihm langfristig ein leerstehendes Stallgebäude zur Pacht anbot. Dank der zahlreichen freiwilligen Helfer konnte in kürzester Zeit bei erträglichen Kosten eine neue Heimat für den TSV geschaffen werden. Bereits im Dezember 1973 konnte die Einweihung stattfinden. Aber kaum war diese Sorge vergessen, standen schon wieder andere Probleme an. Die Schaffung eines Sportplatz-Zentrums, der Bau einer Bundeskegelbahn durch die Brauerei Schmidt im Anschluß an das Sportheim und die Erweiterung der Sportpalette standen auf der Tagesordnung der folgenden Generalversammlung.
Im Februar 1975 wurde eine Damengymnastikabteilung gegründet, die ihre Übungsabende im Saal der Brauerei Schmidt abhielt. Im Juni des gleichen Jahres wurde die Kegelabteilung ins Leben gerufen. Durch diese beiden Abteilungen wurde der Grundstein vom reinen Fußballverein zum Breitensportverein TSV Neuhaus gelegt. Gerade rechtzeitig zum 50jährigen Bestehen des Vereins konnte 1978 der heutige A-Platz fertiggestellt und im Rahmen des Vereinsjubiläums seiner Bestimmung übergeben werden.
Kaum waren die Festtage vorüber, fand am 29.08.78 im Sportheim die Gründungsversammlung der Tennisabteilung statt. Neben einem zweiten Spielfeld für die Fußballer wurden nun auch zwei Tennisplätze benötigt. Die notwendigen Pachtverträge mit der Crailsheim`schen Familienstiftung konnten schnell zu unserer vollen Zufriedenheit abgeschlossen werden.
Bereits im Spätsommer 1979 konnte der Spielbetrieb in der Tennisabteilung aufgenommen werden. Mit den Erdarbeiten am B-Platz wurde 1980 begonnen. Durch den vermehrten Sportbetrieb wurde bald ein neues Problem akut. Es fehlten sanitäre Anlagen und auch Umkleideräume für die die Tennisspieler. Nach dreijähriger Bauzeit konnte am 16. Juni 1985 die Einweihung des hervorragend gelungenen Tennishauses gefeiert werden. Da für unsere Damengymnastikabteilung die Räumlichkeiten in der Brauerei Schmidt nicht mehr ausreichten, musste auch hier ein Ausweg gefunden werden. Durch die gute Unterstützung unserer Gemeinde konnten wir das Untergeschoß im Kindergarten umbauen und so bessere Voraussetzungen schaffen. Obwohl von mehreren Vereinen Interesse an diesen Räumen bestand, wurden die freiwilligen Arbeitsleistungen ausschließlich von Mitgliedern des TSV erbracht.
Trotzdem konnte bereits im September 1982 der Gymnastikbetrieb in den Kindergarten verlegt werden. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt erreichte uns eine neue Hiobsbotschaft. Durch unsachgemäße Reinigung wurde die Bitumenschicht unserer Kegelbahn zerstört. Da die neue Verbandsrunde vor der Tür stand, musste dieser Schaden in einem Kraftakt behoben werden. Als erster Verein in der Gemeinde führten wir ab Anfang der achziger Jahre die Abnahme des Sportabzeichens durch. Es konnte jeder teilnehmen, zur Mitgliedschaft im Verein bestand kein Zwang. Es werden uns seitdem die Einrichtungen der Schulsportanlage kostenlos für diese gute Sache zur Verfügung gestellt.
Am 20.4.83 nahm die Lauf-Trimm-Gruppe als neue Abteilung des Vereins den Sportbetrieb auf.
Im Frühjahr 1983 erschienen neue Wolken am Horizont des TSV. Die Pächter des Sportheims wurden langsam aber sicher zum Problemfall des Vereins. Nach einigen Kurzgastspielen von Pächtern führen wir unser Sportheim, wenn auch mit kleinen Pannen und Problemen, seit Sommer 1983 zur Zufriedenheit unserer Gäste in eigener Regie. Aber noch ein weiteres Gutes ist aus dieser Zeit zu berichten. Nach 6 Jahren Auswärtstraining konnten unsere Fußballer ab Herbst 1983 das B-Spielfeld mit Trainingsbeleuchtung benutzen.
Da abzusehen war, dass die Arbeiten durch freiwillige Leistungen der Mitglieder in den nächsten Jahren nicht mehr zu schaffen war, ging der TSV als einer der ersten Vereine einen neuen Weg. Er beschäftigte in den Jahren 1984/85 eine ABM-Arbeitskraft.
Ab 25.04.84 wurde für unsere Kinder eine neue Möglichkeit der sinnvollen Freizeitbeschäfigung geschaffen. Als Untergruppe der Damengymnastikabteilung wurde Turnen und Spielen mit Kindern in das Vereinsangebot aufgenommen.
Im Rahmen der Flurbereinigung wurde uns im Herbst 1985 eine sehr große Anzahl von Bäumen und Sträuchern nicht nur kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern auch gepflanzt. Um das Sportgelände komplett einzugrünen, wurde von uns entlang der Straße eine Hainbuchenhecke gepflanzt,
Leider mussten wir feststellen, dass unser B-Platz nicht den Anforderungen eines vernünftigen Spielbetriebes gewachsen war. So wurde im Frühjahr 1986 der ganze Platz noch mal abgeschoben. Ab der Tennisanlage wurde das ganze Gelände mit einer Drainage versehen. Es wurde die vorhandene Humusschicht mit 500 Kubikmeter Granulat und 1200 Kubikmeter sandigen Humus gemischt und wieder aufgetragen. Im Herbst 1986 wurde der Platz zum zweitenmal angesät. Seit Mai 1988 ist auch hier wieder normaler Spielbetrieb möglich und es ist zu hoffen, dass in Zukunft unsere Fußballer immer zu Hause trainieren können. Durch diese Ausweichmöglichkeit konnte im Juni 1988 eine Generalüberholung unseres A-Spielfeldes durchgeführt werden. Durch die Abwicklung der Flurbereinigung und dem verständnisvollen, großzügigen Entgegenkommen der Crailsheim`schen Familienstiftung sowie der Gemeinde Adelsdorf konnte der Verein das gesamte Gelände mit einer Größe von 37.000 Quadratmetern als sein Eigentum erwerben.
Bei allen durchgeführten Baumaßnahmen konnten die Kosten durch Eigenleistung stark herabgesetzt werden. So wandelte sich der TSV Neuhaus in den letzten Jahren doch ganz gewaltig. Es kann heute die Gesamtbevölkerung von Neuhaus und den umliegenden Ortschaften, an der Spitze Buch und Hesselberg, sportlich ansprechen und anziehen.
Das Angebot im Verein wurde durch Wirbelsäulen-Gymnastik und Ski-Gymnastik sowie durch die Gründung einer rythmischen Tanzgruppe weiter ausgeweitet. Dadurch hat sich die Mitgliederzahl im Jahr 1989 mit 578 der 600er Grenze weiter genähert.
Im Jahr 1990 wurde erstmals eine Mitgliederzahl von 600 erreicht, worauf wir sehr stolz waren. In diesem Jahr konnte sich erstmals in der Vereinsgeschichte ein Sportler des TSV für eine Deutsche Meisterschaft qualifizieren. Dies war Willi Wahl, der bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften unter 900 Teilnehmern den hervorragenden 127. Platz belegen konnte. 1990 hatten wir weiteren Grund zum feiern, nämlich das 10-jährige Bestehen der Tennisabteilung und das 15-jährige Bestehen der Gymnastik- und der Kegel-Abteilung. Der größte Erfolg der Fußballabteilung war der erstmalige Aufstieg in die A-Klasse im Jahr 1991
In den folgenden Jahren wurden weitere Umstrukturierungen sowie weitere bauliche Maßnahmen in Angriff genommen. So wurde 1992 ein Förderverein gegründet, der bis heute den TSV in vielen Belangen entlastet und unterstützt. Im Jahr 1993 fand der erste Straßenlauf statt. Auch wurde in diesem Jahr die neue Gerätehalle unter der Regie des Stammtisches „Alte Knochen“ fertiggestellt. Außerdem wurde im selben Jahr eine Jugendordnung verabschiedet. Im gleichen Jahr konnte ein erster Plan für das neue Sportheim durch Architekt Albert Ruhmann vorgestellt werden.(die komplette Legende des Sportheimbaues können Sie auf den folgenden Seiten lesen)
Es gab in dieser Zeit auch Misserfolge, wie den Abstieg der 1. Fußballmannschaft im Jahr 1994 in die B-Klasse.
Nach 20 Jahren Pause wurde 1995 wieder eine Theatergruppe gegründet, die bis heute jedes Jahr sehr erfolgreich Aufführungen veranstaltet.In diesem Jahr standen auch wieder Feierlichkeiten an, nämlich das 20-jährige Bestehen der Gymnastikabteilung und der Kegelabteilung. Außerdem wurden erstmals Sportler der Leichtathletikabteilung durch den Kreis geehrt, worauf wir sehr stolz waren. Im Jahr 1996 wurde das Projekt Sportheimbau konkret durch eine außerordentliche Mitgliederversammlung abgesegnet.
Als Meilenstein in die Vereinsgeschichte wird der 13.9.97 eingehen, denn an diesem Tag konnte der erste Spatenstich für das neue Sportheim unter Beteiligung vieler Ehrengäste und sonstigen Gästen durchgeführt werden.
Die nächsten Jahre waren geprägt von gewaltigen Arbeitsleistungen am neuen Sportheim. Das 70-jährige Vereinsjubiläum wurde im kleineren Rahmen im Jahr 1998 gefeiert.
1998 wurde die Satzung geändert, es gibt jetzt keinen 1., 2. und 3. Vorstand mehr, sondern 3 gleichberechtigte Vorstände, nämlich eine für die Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit, einen für den sportlichen Bereich und einen für den wirtschaftlichen Bereich.
Die Verabschiedung der neuen Satzung und das erstmalige Überschreiten der 700er Mitgliedergrenze gingen fast in der Euphorie „Sportheimbau“ unter.
Erstmals fanden 1999 die Bayerischen Meisterschaften im 10 Kilometer Straßenlauf in Neuhaus statt.
Das Jahr 2000 war, neben einer Menge von Arbeitsleistungen geprägt von einer ganz besonderen Ehrung, nämlich der von Vorstand Hans Neidhardt mit der Ehrenurkunde des DFB. Er war der erste Vereinsfunktionär in unserem Kreis,
dem diese Ehrung zuteil wurde.
Dann im Jahr 2001 war es endlich soweit, wir konnten das neue Sportheim seiner Bestimmung übergeben. Erstmals am 24.3.01 konnte im Rahmen einer Theateraufführung unserer Theatergruppe der Wirtschaftsbetrieb aufgenommen werden. Am 20.4.01 nahmen wir mit einer zünftigen Auszugspartie Abschied von unserem alten Sportheim.(Punika-Oase)
Mit einem Festkommers im Mai und einer großen Einweihungsfeier im Juli genossen wir unseren heutigen Stolz, nämlich unser neues Sportheim. Waren auch die letzten Jahre geprägt von viel Arbeit, blicken wir doch mit Stolz und Freude auf das Schmuckstück das wir uns geschaffen haben. Hier an dieser Stelle möchten wir uns noch mal recht herzlich bei allen bedanken, die zum Gelingen dieses Prunkstückes beigetragen haben. Aber wir dürfen uns nicht ausruhen, denn es gibt noch viel zu tun.
„Packen wirs an“
Mit Recht können wir auf die geleistete Arbeit stolz sein. Dank der Mithilfe vieler ehrenamtlicher Helfer erfüllen wir auch in der Gegenwart eine wesentliche Aufgabe in der Gemeinde. Daß dies in der nahen und fernen Zukunft so bleiben möge, ist der bescheidene Wunsch des TSV für 2003.
Der TSV wünscht allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern viel Spaß und Freude bei unseren Jubiläumsveranstaltungen.
Ein vorzeitiges Jubiläumsgeschenk haben uns ja unsere Fußballer mit dem Aufstieg in die Kreisliga bereits gemacht.